Euro-Schwäche stützt Agrarexporte: Genossenschaften erschließen Auslandsmärkte |
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16.06.2010 |
Hannover. Die genossenschaftlichen Unternehmen beurteilen ihre Exportchancen positiv. 2009 wurden tierische und pflanzliche Erzeugnisse im Wert von 3,3 Mrd. Euro ausgeführt. Insbesondere die Ausfuhren in Länder außerhalb der Europäischen Union (EU) dürften in den kommenden Monaten zulegen, während gleichzeitig der Handel im Binnenmarkt bislang kaum unter der Schuldenkrise einiger Mitgliedstaaten gelitten hat. Die Euro-Schwäche gegenüber dem US-Dollar und anderen Währungen begünstigt aktuell die Ausfuhren von Getreide, Fleisch- und Milchprodukten. Langfristig ist der Export vor allem in weltwirtschaftliche Wachstumsregionen ein wichtiger Absatzkanal. „Bei einigen genossenschaftlichen Unternehmen, z. B. in der Fleischwirtschaft, liegt der Ausfuhranteil bereits bei 40 Prozent mit steigender Tendenz. Deshalb muss der Weg der Internationalisierung konsequent fortgesetzt werden“, betonte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) bei der Mitgliederversammlung in Hannover.
Gute Getreideernte erwartet
Der DRV erwartet eine deutsche Getreideernte von rd. 47 Mio. t. Wenn die Qualitäten stimmen, kann 2011 wieder ein gutes Viertel der diesjährigen Ernte über Exporte zur weltweiten Nahrungsmittel-Versorgung beitragen. In der EU übersteigt die Getreideproduktion den Verbrauch (etwa 270 Mio. t) im Durchschnitt der letzten drei Jahre um 20 bis 30 Mio. t. Diese Menge steht für den Export in Drittländer zur Verfügung oder muss gelagert werden. Derzeit sind die Lagerbestände auf einem hohen Niveau von 65 Mio. t, davon knapp 7 Mio. t in öffentlichen Interventionslagern. Hauptabnehmer für EU-Getreide sind Staaten des Mittleren Ostens (Iran, Jemen, Saudi-Arabien) und Afrika (v. a. Nordafrika). Deutschland und andere Exportnationen der EU konkurrieren auf diesen Märkten mit Angeboten aus der Schwarzmeerregion, den USA und Australien.
Steigende Milcherzeugerpreise in Sicht
Optimistisch beurteilt der DRV die Entwicklung der Milcherzeugerpreise. „Sie heben sich inzwischen deutlich vom krisengeprägten Vorjahr ab und werden sich weiter nach oben bewegen. Dies geschieht zwar nicht in großen Schritten, aber doch kontinuierlich“, so Nüssel. Die individuellen Auszahlungsmöglichkeiten der Molkereien hängen von den jeweiligen Produktsortimenten, Absatzmärkten und Kontraktbedingungen wie Laufzeiten, Zahlungsziele etc. ab. „Im Interesse ihrer Mitglieder ist die Erzielung bestmöglicher Markterlöse Richtschnur für das Handeln der Molkereigenossenschaften“, stellte der DRV-Präsident fest.
Die wieder günstigeren Rahmenbedingungen und die abflauende Wirtschaftskrise haben den Milchmarkt gefestigt. Dennoch bleiben weitere Unsicherheiten bestehen. „Die Erfahrungen der letzten Jahre haben sehr deutlich gemacht, dass die Nachfrage nach Milchprodukten sehr sensibel auf steigende Preise reagiert. Die weitere Entwicklung hängt auch von der allgemeinen Wirtschaftslage in der EU und der Welt ab. Vor dem Hintergrund der weitgehenden Liberalisierung des EU-Milchmarktes bestimmen weltweite Veränderungen von Angebot und Nachfrage maßgeblich das Marktgeschehen. Hieraus resultieren stärkere Preisschwankungen als sie bislang bekannt waren“, so Nüssel.
Deutsche Fleischprodukte genießen weltweit guten Ruf
Die Produktion von Schweinefleisch ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 stetig gestiegen und erreichte 2009 mit 56,42 Mio. Schlachtungen den bisherigen Höhepunkt. Leicht gesunken auf 39 kg ist der Pro-Kopf-Verbrauch, so dass der Selbstversorgungsgrad 2009 rd. 107 Prozent betrug. Für 2010 erwartet der DRV, dass die Fleischerzeugung auf 57,8 Mio. Schweineschlachtungen wachsen wird und die Lebendimporte aus Dänemark und den Niederlanden um 1 Mio. auf insgesamt 15,4 Mio. Tiere steigen. Die hiesige Rindfleischproduktion ist eng an den Milchmarkt gekoppelt. Anders als die EU, die mittlerweile Nettoimporteur für Rindfleisch ist, wird in Deutschland mehr Rind- und Kalbfleisch erzeugt als verzehrt. 2009 betrug der Konsum 8,5 kg/Kopf. Der Selbstversorgungsgrad lag hierzulande bei rd. 119 Prozent.
Die weiteren Trends sind u. a. in enger Abhängigkeit zur demografischen Entwicklung zu sehen. So sind die Aussichten für eine Steigerung des nationalen Verzehrs überaus verhalten. Jedoch wird die globale Nachfrage nach Schweinefleisch in den nächsten Jahren hohe Zuwachsraten verzeichnen. „Deutsche Fleischprodukte genießen weltweit einen guten Ruf und machen Schweinefleisch zum begehrten Export-Produkt. Zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland werden Marktpotentiale in Osteuropa und vor allem in Asien ausgebaut. Hiesige Erzeuger und Anbieter sind gefordert, sich an den Qualitätsansprüchen potentieller Zielländer auszurichten“, so Nüssel. |
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